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Sponsoring
und Restaurierung:
20 Kaiserstatuen vom Hamburger Rathaus
Auszug aus der
Sonderausgabe
"Denkmalpflege Hamburg extra"
In
letzter Zeit wird die Arbeit der Denkmalpflege in Hamburg
vermehrt durch Zuwendungen von Banken, Versicherungen,
Kaufleuten, Industriebetrieben und Privatpersonen entscheidend
unterstützt.
Genannt
seien hier Beispiele aus nahezu allen Fachbereichen der
Restaurierung:
-
Kupfergetriebener Erzengel der Hauptkirche St. Michaelis
- Wandmalereien im Museum für Kunst und Gewerbe
- Treppenhaus, Altbau der Kunsthalle
- Deckengemälde in der Musikhochschule
Kunst
und Kultur durch Spenden zu fördern hat in der Freien und
Hansestadt Hamburg eine lange Tradition.
Die Idee zur Restaurierung der 20 bronzenen
Rathauskaiser hatten der Historiker Ernst Schmacke und der
Fotograf Gerhard Krause. Die Redaktion des Hamburger
Abendblattes griff diese Idee auf. Im Sommer 1994 gelang es, in
einer publikumswirksamen Aktion innerhalb von einer Woche
Sponsoren für die Restaurierung der Kaiser zu gewinnen.
Eine
Kaiserfigur wurde vor dieser Aktion als exemplarische Restaurierung
aus öffentlichen Mitteln zur Feststellung von Art und Umfang
der erforderlichen Maßnahmen finanziert.
Nun
zu den Hauptpersonen:
Die 20 Bronze-Kaiser
Das Hamburger Rathaus ist ein
Gesamtkunstwerk des Historismus. Die 20 Bronze-Kaiser wurden
nach Entwürfen von verschiedenen Bildhauern aus dem gesamten
Deutschen Reich in die Sandsteinfassade des Rathauses eingefügt.
Die Reihe der
Kaiserdarstellungen, chronologisch beginnend mit Lothar von Sachsen und
endend mit Franz II., wird beiderseits des großen
Turmsaal-Fensters von den für Hamburg bedeutendsten Kaisern,
Karl der Große und Friedrich Barbarossa, unterbrochen.
Dementsprechend sind die beiden im Maßstab etwas größer und
schwerer als die übrigen ca. 2,40 m großen und ca. 700 kg
schweren Statuen. Der Bronzeguss erfolgte in der Kunstgießerei
Lauchhammer in den Jahren 1893 bis 1897.
Die
Untersuchung der Figur Maximilian II. machten die notwendigen Maßnahmen
deutlich. Eine aggressive schwarze Schmutzkruste, in der sich
unter anderem basisches Kupfersulfat, basisches Kupferchlorid,
wasserhaltiges Kupfersulfat, Gips, Ruß, Staub und Flugasche
befinden, überzieht die Figuren und hat an einigen Stellen
schon die Bronze angegriffen („Lochfraß").
Ziel
der Restaurierung ist die Freilegung der grünen Patina
bei gleichzeitiger Verdichtung der Oberfläche. Nur mit dem
Skalpell und dem Ultraschall-Feinmeißel ist es zur Zeit möglich,
die verschiedenen Krustenstärken und -härten abzutragen und
die dünne, grüne Schicht weitgehend zu erhalten.
Die Figuren weisen nach der Freilegung sehr unterschiedliche Zustände
auf. Dabei spielen ihr jeweiliger Standort an der Fassade und
die Legierungsbestandteile der
Bronze eine entscheidende Rolle. Es ist nicht zu verhindern, dass
bei der Abnahme der Schmutzkrusten in einigen Partien die grüne
Patina verloren geht. Hier kommt die rot-braune Oxidschicht zum
Vorschein. Die grüne Patina muss sich wieder im Laufe der nächsten
Jahre bilden.
Die
subtilen Freilegungsarbeiten erfordern einen Arbeitszeitraum von
3 Jahren bei einer Bearbeitung durch 8 bis 10 Restauratoren. Die
Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf 1,68 Mio. DM.
Als
Konservierung ist ein Wachsüberzug vorgesehen. Jährlich ist
eine Reinigung mit Wasser und Wurzelbürste geplant.
Ohne
die Hilfe der Sponsoren sowie die in dieser Größenordnung
einmaligen Aktion des Hamburger Abendblattes hätte diese
Restaurierung und Konservierung nicht stattfinden können.
Artikel
herausgegeben von Betina Roß
und der Kulturbehörde Hamburg / Denkmalschutz,
Imstedt 20,
22056 Hamburg im Juni 1994.
Redaktion:
Michael Doose, Volker Konerding, Betina Roß.
Abbildungen: © Betina Roß. |